Interview Timon Abegglen

Trail Running ist bei Timon Abegglen nun vollständig in den Lebensmittelpunkt gerückt: neben Teilnahmen bei Ultras wie Marathon des Sables betreibt Timon seit ein paar Monaten das Start-up Marmota Trailrunning. Nach dem MdS Rennbericht wollen wir die Möglichkeit wahrnehmen Timon ein paar persönliche Fragen zu stellen.

Q: Du hast in Deinem Läuferleben schon einiges gemacht – und doch zieht es Dich immer wieder in Wüste. Warum?

Timon: Als Läufer will ich mich möglichst vielseitigen Herausforderungen stellen. Die Berge liebe ich genauso. Diese habe ich aber vor der Haustür. Wann immer es mich da hinzieht kann ich los. Die Wüste hingegen ist ein völlig anderes Erlebnis. Diese Exotik und spezielle Herausforderung fasziniert mich und zieht mich immer wieder fast magisch in ihren Bann.

Folge dem Ruf der Wüste

Folge dem Ruf der Wüste

Q: Was sind die Höhepunkte beim MdS? Und was sind die Sachen, die man besser streichen sollte?

Timon: Jede MdS-Teilnahme ist anders als die vorhergehende. 2012 war stürmisch, 2013 heiss und nun 2015 hatten wir mit einer hohen Luftfeuchtigkeit umzugehen (→ Rennbericht). Man muss sich immer wieder neu einstellen. Einen Höhepunkt stellt für mich das Leben zwischen den Etappen im Biwak dar. Zudem sind die Landschaften deutlich abwechslungsreicher und vielfältiger als oft angenommen. Die Sahara im Süden Marokkos ist keine reine Sandwüste, obwohl natürlich ausgiebigst durch den Sand gelaufen werden darf.

Alles in allem ist es für mich immer wieder ein kompletter „Re-Boot“ des Kopfes. Eine komplett eigene Welt, in die man da für eine Woche eintaucht.

Streichen in dem Sinne sollte man aus meiner Sicht nichts. Aber man muss sich bewusst sein, dass es ein kostspieliges Abenteuer ist. Es erlaubt nicht viele Fehler, sei es in der Einstellung, Vorbereitung oder Materialwahl. Wer das Risiko von teurem „Lehrgeldzahlen“, wie mir selbst das 2012 passiert ist, vermeiden will muss sich sehr seriös vorbereiten. Man verpflichtet sich quasi für ein halbes Jahr einer bestimmten Sache.

Q: Der MdS erlaubt mit sehr grosszügigen Cutoffs auch Walkern ein Finish. Was denkst Du darüber?

Timon: Ich verneige mich in Ehrfurcht vor allen, die die sicherlich grosszügigen Cutoffs ausnutzen (müssen). Freiwillig macht das da keiner. Die dringend benötigte Regenerationszeit zwischen den Etappen wird so de facto gestrichen. Die Ernährung wird zum Problem. Man ist ständig der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Durch das langsame Gehen kommen die Füsse viel intensiver in Kontakt mit dem stark erhitzten Untergrund, was diesen definitiv nicht gut tut. Die Gesamtbelastung ist schlicht grösser. Wie bereits erwähnt, durfte ich diese Erfahrung für fast vier Tage im Jahr 2012 machen. Es ist bis heute eines meiner brutalsten, prägendsten Erlebnisse als Ultra-Läufer. Aus meiner Sicht sind die grosszügigen Cutoffs am MdS eine ganz andere Hausnummer, als einen Berg-Ultra dank grosszügigen Zeiten als Wanderer finishen zu dürfen.

Hitze und Sand setzen den Füssen beim MdS zu

Hitze und Sand setzen den Füssen beim MdS zu

Es ist so viel einfacher, als Läufer da durch zu kommen! Womit wir allerdings wieder bei der Vorbereitung wären. Es geht dabei nicht um die Spitzenzeiten der Profis. Sondern darum, einen guten sauberen individuellen Rhythmus zu finden, sein Potential und seine Möglichkeiten auszunutzen.

Q: Seit ein paar Monaten dreht sich bei Dir vieles um Marmota Trailrunning – erzähl uns mehr.

Timon: Gerne – Marmota Trailrunning ist ein Start-Up im Bereich Trail- und Ultra-Running. Unser wichtigstes Motto lautet «von Trailläufer für Trailläufer» und wir wollen ein Angebot-Paket bieten, welches alle Bereiche dieses wunderbaren Sports abdeckt und dabei auch eine Kompetenzplattform zwischen Läufern, Trainern/Therapeuten, Organisatoren, Communities und Herstellern werden. Und natürlich ist es uns ein Anliegen, unsere direkten persönlichen Erfahrungen mit fundiertem Fachwissen zu verbinden und weiterzugeben. Zu diesem Zweck bleiben wir nicht stehen sondern bilden uns breit gefächert ständig weiter. Konkret bieten wir neben individuellem Online-Personal-Training und (Langzeit-)Betreuungen auch Trainings- und Laufcamps an und betreiben einen kleinen Webshop rund um das Thema Trailrunning, Nutrition und Equipment. Nachdem wir den Coaching-Bereich bereits lancieren konnten, arbeiten wir nun mit Hochdruck an den Bereichen Laufcamps und Webshop. Wir arbeiten mit starken Partnern, von deren Produkten wir selbst überzeugt sind und die wir darum auch guten Gewissens gemäss unserem Motto weiter empfehlen können.

Trail-Erfahrung gibt's bei Marmota nur aus erster Hand

Trail-Erfahrung gibt’s bei Marmota nur aus erster Hand

Aktuell bieten wir beispielsweise vom 2. bis am 5. Juli 2015 in enger Zusammenarbeit mit dem Veranstalter zu entsprechend super Konditionen ein mehrtägiges Trainings-Camp auf der Originalstrecke des Eiger Ultra Trails E101 an. Und dann gibt es auch noch ein paar Startplätze für unser Laufcamp auf der Greina, wo sich bereits Starter für den nächstjährigen MdS eingetragen haben. Wir werden diese Veranstaltung also auch als Vorbereitungs-Camp dafür nutzen und tonnenweise Tipps und Tricks verraten. Die kompletten Ausschreibungen findet man hier.

Eine weitere coole, kostengünstige und geniale Art, Zeit auf Trails zu verbringen, sind unsere Biwak-Runs. Hier der Bericht vom Brig – Bellinzona Lauf.

Über allem steht die bedarfsbezogene, individuelle Beratung und Betreuung eines jeden einzelnen Läufers mit seinen ganz eigenen Träumen und Zielen. Wir freuen uns über alle Feedbacks, Wünsche und Anregungen!

Q: Ich habe Deine Entwicklung auf der 10km Distanz verfolgt (aktuell knapp über 34min, bei noch 36min im Vorjahr). Wie hast Du in so kurzer Zeit eine so eklatante Verbesserung erreichen können?

Timon: Ich habe mich für mich selbst von weit verbreiteten Mythen und Erwartungen gelöst. Erstmals habe ich mich selbst wie einen Kunden betrachtet und mein berufliches Wissen auch konsequent angewendet. Wenn ich laufen war, war ich Athlet; zwischen den Läufen zu 100% Trainer. So konnte ich stets ehrlich und analytisch zu mir selbst sein. Das hat es mir ermöglicht, einen seriösen Plan zu erstellen, der mich optimal ausgelastet jedoch nicht überlastet hat. In dieses Thema hinein spielt die Tatsache, dass ich nun massiv weniger Wettkämpfe laufe. Ich periodisiere mein Läuferjahr seriöser und kümmere mich um eine Makroplanung. Ich möchte das Erfahrungen-Sammeln der letzten Jahre nicht missen. Aber nun ist es Zeit, mich etwas besser unter Kontrolle zu halten. Mein Körper dankt es mir. Auch die gesamte Vorbereitung auf den MdS war für mich noch nie so leicht(füssig) umzusetzen. Als ich im letzten August mit verstauchtem Fuss auf Genesung wartete beschloss ich, komplett bei null zu beginnen. Stabilität, Propriozeption, Gleichgewicht, Kraft, Beweglichkeit; Basics halt! Dann habe ich mir 4 Monate Zeit genommen, meine Grundlagenausdauer komplett auf ein besseres Niveau zu heben und dazu sehr stark das Indoor Cycle benutzt.

Aus meiner Sicht ist der schnelle 10er die Basis für den schnellen Marathon. Und dieser wiederum die Basis für das erfolgreiche Ultra-Laufen.

Q: Was sind die wichtigsten Tipps die Du Deinen Athleten weitergibst?

Timon: Seriös, diszipliniert, strukturiert und geduldig arbeiten. Jeden Tag; möglichst vielseitig ohne die Progression zu vernachlässigen. Wenn sich das Training über einen längeren Zeitraum hinweg schlecht anfühlt ist es das vermutlich auch! Dann benötigt man unbedingt Struktur und Kontrolle, um Unter- und Überlastungen zu vermeiden. Einen Schritt nach dem anderen machen; nicht heute alles wollen und morgen nichts mehr können. Dann definitiv das Ausgleichstraining und die funktionalen Grundlagen nicht vernachlässigen.

Lauf- und Lebensfreude

Lauf- und Lebensfreude

Und das Wichtigste ab dem Moment, wo du die Laufschuhe schnürst: dich von allem lösen und einfach Natur, Wind, Wetter und das Laufen an sich geniessen!

Q: Deine positive Art fällt auf – was macht Timon glücklich?

Timon: Glückliche und erfolgreiche Kunden und Läufer um mich herum! Oder die ersten zarten Sonnenstrahlen, die dich in einem Biwak fernab von Alltag und Stress wecken und einen wundervollen Tag auf einsamen Trails ankündigen. Selbstbestimmung oder Dankbarkeit für ein gesundes Leben. Die Möglichkeit, anderen zu helfen oder beizustehen, ihre Ziele und Träume zu verwirklichen. Die Möglichkeit zu haben, mich jeden Tag weiterzuentwickeln und besser zu werden.

Oder einfach nur eine Tasse dampfenden Kaffee.

Interview: Alex Brennwald

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